Tage wie dieser…
Tage wie dieser…

…werden manchmal doch noch gut.

Der Tag heute hat Scheiße angefangen und war ein Höhepunkt in einer Reihe von Wochen, die mich unendlich Energie gekostet haben und gerade noch kosten. Heute war außerdem mein heißgeliebter Kurs und ich hatte als neue Technik für diesen Termin Pastellkreiden und Zeichenkohle geplant, die ich eigentlich überhaupt nicht mag.

Seit den Schulzeiten habe ich nicht mehr wirklich mit Pastellkreiden gearbeitet. Sie schmieren, die Ergebnisse, die da rauskommen, nerven mich oft wegen ihrer (für mich unerträglichen) Seichtheit und bisher hatte ich nie den Eindruck, damit Bilder erzeugen zu können, die ich mag. Kacklaune und Pastellkreiden, nun denn.

Als Inspiration hatten wir uns vorher Arbeiten von Käthe Kollwitz angesehen, die ja nun auch nicht gerade vor Heiterkeit strotzen. Sie arbeitet aber fantastisch mit dem gesamten Hell- und Dunkelheitsspektrum von Schwarz und kostet es voll aus, um ihren Arbeiten gehörig Dramatik zu verleihen.

Auch wenn wir eigentlich vor allem nach selbst mitgebrachten Fotos arbeiten, hat mich heute eine Arbeit von ihr angesprochen, bei der die Haltung der Dargestellten so sehr meinem eigenen Gefühl entsprach, dass ich das auch zeichnen wollte.

Ich machte mich etwas lustlos mit Zeichenkohle an die Vorzeichnung und wischte und schmierte und war alles andere als begeistert. Viel zu dunkel und nicht annähernd so dramatisch wie bei Frau Kollwitz. Also doch Farbe. Erst ein bisschen Blau hier, ein wenig Violett dort. Den harten Übergang dort drüben noch schnell mit etwas Pink geglättet und alles in allem fanden auf diesem Weg Gelb, Grün, Zartrosa, mehr Pink ins Bild, bis es eine seichte, sehr bunte Zeichnung der Originalpose war, die deutlich optimistischer war und die tatsächlich meiner eigenen Stimmung glich, die sich schon deutlich gebessert hatte.

Wenn ich nicht mehr weiterweiß, lege ich ein Blatt erstmal weg und nehme mir direkt das nächste vor. Diesmal war mein Plan, die Zeichnung in ihrer Grundstruktur weniger kollwitzig, aber mehr jessica-esque zu gestalten. Ich erinnerte mich an meine Vorgehensweise von letzter Woche, bei der meine neuen Lieblingsblätter entstanden und versuchte, diese in eine Pastellzeichnung zu übersetzten ohne dabei die ursprüngliche Pose aufzugeben.

Irgendwann platzte der Knoten: der Frust war vergessen, der Spieltrieb setzte ein und weil ich gerade warm war, habe ich mir das andere Blatt auch noch mal vorgenommen. Auch wenn Pastellkreide immer noch nicht mein Lieblingsmaterial ist, habe ich doch einen Dreh gefunden, wie ich damit Qualitäten erzeugen oder ins Bild holen kann, nach denen ich eh suche.

„Umarmung“, Zeichenkohle und Pastellkreiden, 30 x 42 cm, 2018.

„Umarmung 2“, Zeichenkohle und Pastellkreiden, 30 x 42 cm, 2018.

Vielleicht ist das die Erkenntnis, die Erinnerung des heutigen Tages: Es bringt nicht viel, immer nur zu schauen, was gerade doof und nicht so ist, wie ich es gerne hätte. Ich komme genau dann vom Fleck und kann Veränderung einladen, wenn ich die Situation annehme und mich frage: Wie kann ich die Mittel, die ich gerade zur Verfügung habe, dazu nutzen, mir etwas Gutes zu tun und Veränderungen herbeizuführen, oder sie einfach für mich arbeiten lassen? Wie kann ich das, was da ist, für mich und meine Bedürfnisse nutzen?

Das funktioniert vermutlich nicht, wenn jemand eine waschechte Depression hat (da ist dann doch eher ärztliche oder therapeutische Hilfe geraten). Für mich heute hat es aber ganz hervorragen funktioniert und deshalb wandert es in meinen inneren Werkzeugkasten, dass ich es nicht wieder vergesse.

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ hat Johann Wolfgang von Goethe mal gesagt und genau das isses. Kunst. Mit richtig großem K.