Ein Foto einer Landschaft im Gegenlicht: im unteren Drittel silhouettenartige Bäume und Sträucher, darüber ein bewökter Himmel, durch den die Sonne bricht.
Feiertag

Wenn ich unserem fast Fünfjährigen Dinge erkläre, breche ich sie auf das Wesentliche runter und versuche immer Worte zu benutzen, die er schon kennt. Dabei fällt mir oft auf, wie absurd oder großartig viele Dinge, die wir Erwachsenen für selbstverständlich nehmen, eigentlich sind.

Vorgestern, kurz vor dem Schlafengehen.

„Übermorgen habt ihr zwei übrigens kindergartenfrei.“

„Warum, Mama?“

„Weil da ein Feiertag ist, da ist fast alles zu.“

„Mama, was feiern wir denn?“

„Hm, da muss ich mal kurz nachdenken, wie ich dir das am besten erklären kann.

Weißt du noch, als ich dir erzählt habe, dass es hier vor vielen Jahren einen großen Krieg gab, bei dem ganz viel kaputt gegangen ist und bei dem ganz viele Menschen gestorben sind?“

„Ja.“

„Irgendwann wollten die Menschen keinen Krieg mehr, weil sie gemerkt haben, dass das richtig doof ist, wenn alle immer nur streiten, alles kaputt geht und immer alle sterben. Und damit es nicht so schnell wieder Krieg gibt, haben hier Menschen aus anderen Ländern mit aufgepasst. Aber weil die auch ganz unterschiedliche Dinge wollten und damit die sich nicht auch noch streiten, haben sie das Land aufgeteilt und eine Mauer hinein gebaut.

Nach einiger Zeit fanden die Menschen aber, dass es doch schöner wäre, wenn das Land nicht geteilt sei und wollten die Mauer wieder abreißen. Darüber haben sich ganz viele Menschen fürchterlich gefreut, das gab ein großes Fest und das war schon ein besonderer Tag. Alle haben beschlossen, dass sie jetzt friedlich miteinander leben wollen und weil sie das auf keinen Fall wieder vergessen wollten, haben sie diesen Tag zu einem Feiertag erklärt, an dem wir eben feiern, dass wir hier alle friedlich miteinander leben wollen. Das ist doch schön, oder?“

„Ja, Mama, das ist wirklich schön! Feiern wir das auch?“

„Wenn wir wollen!“

„Das sollen wir, Mama!“

Wie mich mein Kind daran erinnert, wie wichtig Frieden ist und dass sich die Anstrengung lohnt, ihn herbeizuführen, um ihn zu ringen und ihn zu erhalten. Manchmal denke ich, es ist gerade das Elternsein, das mich radikalisiert. Wenn nicht für uns, dann für die Kinder!

Euch allen einen friedlichen Dritten Oktober!