Veränderungen
Veränderungen

Heute. Mein letzter Tag als Lehrerin.
Vielleicht nur vorerst. Vielleicht für immer.

Ich unterrichte gerne und wenig macht mir mehr Freude als Menschen bei Erkenntniszuwächsen zuzuschauen und sie darin sogar zu unterstützen. Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, attestieren mir, ich sei eine gute Lehrerin: menschlich, zugewandt, fachlich hochkompetent und in der Lage, viele Schüler gleichzeitig in ihren Eigenarten wahrzunehmen und gemessen an ihren jeweiligen Fähigkeiten zu unterstützten.

Neulich besuchte mich eine Kollegin aus der Schule im Atelier und sagte zu mir: „Jessica, versteh mich nicht falsch: ich finde, du bist eine tolle Lehrerin, aber dein Talent ist in der Schule vergeudet – du solltest dich in jedem Fall auf die künstlerische Arbeit konzentrieren!“ Während ich darüber nachdachte, beschlich mich die Erkenntnis: Sie hat Recht. Eigentlich wusste ich das schon vorher: ich wollte nie etwas anderes sein als Künstlerin.

Dieses Gefühl habe ich schon länger, dass mich in der Arbeit in der Schule auch viel Energie und Zeit verheize, die ich eigentlich für andere Dinge brauchen könnte, die mir an anderer Stelle fehlt und was mich wie ein leises Stimmchen immer wieder darauf hinweist, dass ich als Lehrerin nicht glücklich sein kann.

Dinge verändern sich.

Als mir unsere wirklich nette Schulleiterin gestern erzählte, dass sie wahrscheinlich zum 1. Februar des kommenden Jahres eine unbefristete Stelle für mich hätte, habe ich dankend, aber bestimmt abgelehnt. Den schönsten Abschied haben mir dann meine Fünftklässler und Lieblingskinder heute in der Forscherklasse Kunst gemacht: „Frau Koppe, darf ich dich heute mal umarmen? Wir werden dich vermissen!“

Heute ist also mein letzter Tag als Lehrerin. Vielleicht nur vorerst. Vielleicht für immer.