Locker werden
Locker werden

Letzte Woche startete meine Mittwochs-Akademie mit einem intensiven und wundervollen Abend. Wir alle, die Teilnehmenden und ich, sind bereichert und beschwingt nach Hause gefahren. Wir haben unsere gemeinsame Zeit mit einer Übung eröffnet, die zum einen dabei hilft, dass wir lockerer werden und zum anderen , dass wir uns mit verschiedenen Materialien vertraut machen und um gewisse künstlerische Grundfertigkeiten zu trainieren.
Jessica Koppe: SW-Experiment final 2016
Weil die Übung aber noch viel besser funktionierte, als ich mir das vorher überlegt hatte, möchte ich sie jetzt hier mit euch teilen.

Egal, wie viel Erfahrung du mit künstlerischer Arbeit hast: diese Vorgehensweise ist immer eine hervorragende Lockerungsübrung, wenn du einmal gerade nicht vom Fleck kommst oder einfach nur spielen willst.

Abstrakte Bilder in schwarz-weiß

Du brauchst:

  • A3 Papier
  • schwarze Acryl- oder Plakatfarbe
  • einen Pinsel
  • evtl. Zeichenkohle, Wachsmalstifte oder Ölkreiden

Mach dir Musik an, lege dir alle Materialien zurecht und beginne, mit dem Pinsel abstrakte Spuren auf dem Blatt zu hinterlassen. Versuche, konkrete Bilder oder Gegenstände zu vermeiden. Noch wichtiger: Versuche, mit deiner gesamten Aufmerksamkeit bei deiner Hand zu bleiben und guck einfach, was passiert. Alles, was kommt, ist in Ordnung – es gibt kein Richtig und kein Falsch.

Probiere und forsche:
Zeichne lange, wellige Linien oder kurze, staccatto-artige. Hinterlasse Punkte, Klekse, Fingerabdrücke. Setze sie nebeneinander oder übereinander. Lass sie sich überlappen. Probiere nach und nach alle Materialien aus. Zeichne Linien wie Ozeanwellen, wie Nieselregen, wie Schleierwolken. Linien wie ein Nähgarn, wie zerklüftete Felsen, wie Sterne, die in der Nacht strahlen. Runde Linien, gegensätzliche Linien, Linien, die sich treffen. Bleibe mit deiner Aufmerksamkeit bei deiner Hand.
Jessica Koppe SW-Experiment #2 2016
Mache nach fünf oder sechs Blättern eine kleine Pause.
Hänge alle Bilder auf, so dass du sie mit etwas Abstand betrachten kannst. Was gefällt dir besonders gut an ihnen? Gibt es Dinge, die dir besonders auffallen? Die sich wiederholen? Hier sind Bewertungen überflüssig, es geht nur darum, wahrzunehmen, was ist: wo du stehst und was du bereits mitbringst.
[Wenn ihr mit mehreren zusammen arbeitet, könnt ihr euch nun gegenseitig inspirieren und in der nächsten Runde die Dinge ausprobieren, die ihr bei den anderen gesehen habt.]

Bearbeite nach dieser Betrachtungsphase noch einmal zwei bis drei Blätter.
Benutze nun unterschiedlich breite Pinsel, verdünne die Farbe für unterschiedliche Grautöne, arbeite mit Mustern, Wiederholungen und Verdichtungen. Experimentiere, wie du durch die Veränderung des Druckes mit deinem Pinsel unterschiedliche Linienqualitäten erzeugen kannst.

Das Wichtigste:
Bleibe mit deiner Aufmerksamkeit bei deiner Hand und konzentriere dich darauf, was sie gerade tut. Wenn deine Gedanken abschweifen, komm wieder zurück. Erinnere dich: es gibt kein Richtig und kein Falsch.

Lust, deine Erfahrung, bei dieser Übung in den Kommentaren zu teilen? Ich bin neugierig, was sich bei dir tut!
Viel Vergnügen bei Experimentieren!