Künstlerleben
Künstlerleben

oder: Mein idealer Arbeitstag

Es ist schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal einen Tag in Bildern aus meinem Berufsalltag und Leben geteilt habe. Ich klinke mich dabei in die Fotoaktion #12von12 ein, bei der jeden Monat Menschen am 12. eines Monats ihren Tag in Fotos festhalten.

Soviel vorweg: es war ein produktiver und schöner Tag!

Im Atelier

Farben-Zuordnungsspiel nach Montessori Material für Workshop vorbereitet Spuren hinterlassen

Neben meiner künstlerischen Arbeit beschäftige ich mich viel mit Pädagogik und Politik, weil ich mir immer wieder die Frage stelle, wie wir als Menschen in einer Gesellschaft leben wollen. Ein immerwährender Fundus für Anregungen und Herangehensweisen ist für mich die Montessori-Pädagogik, aus der ich doch einiges für meine Arbeit in der Kunstvermittlung übernehme. Über die letzen Tage habe ich ein Montessori-inspiriertes Farbzuordnungsspiel hergestellt, mit dem Kinder das Unterscheiden von feinen Farbnuancen trainieren können. Für Erwachsene taugt es aber auch.

Auch von den Montessoris habe ich die Idee der vorbereiteten Umgebung. Morgen habe ich eine Gruppe elf- bis 15jähriger für einen Workshop zu Gast und ich mag es einfach, wenn alle Materialien ansprechend angeordnet und gut vorbereitet sind. Das entspannt mich und hilft den Teilnehmenden, sich auf die wesentlichen Dinge bei der Arbeit zu konzentrieren. Heute habe ich die Materialien erstmal für mich vorbereitet.

Am Sonntag hat mich noch ein altes Bild so genervt, dass ich es jäh weiß übergemalt habe. Ein Thema, an dem ich ganz intensiv arbeite, ist „aushalten, was kommt“. Und so habe ich heute begonnen, auf dieser nun wieder weitestgehend jungfräulichen Leinwand Spuren zu hinterlassen: ohne Ziel, nur der eigenen Hand folgend.

Kaffeepause noch eine Schicht mehr aufgeräumt

Ich arbeite immer an mehreren Sachen gleichzeitig, eine lineare Arbeitsweise liegt mir nur bei Aufgaben wie Steuererklärungen. So sprang ich dann heute zwischen mehreren schwarzweißen und farbigen Arbeiten hin und her. Während ich darauf wartete, dass auf allen Leinwänden die Farben trocknen, habe ich mir einen Kaffee gemacht und mich darüber gefreut, wie gut meine Kaffeetasse und die Farben, die ich benutze, zusammenpassen.

Das Trocknen dauerte länger als gedacht heute und so habe ich in der Zwischenzeit über die sehr grafischen Schwarzweiß-Leinwände einfach noch eine Schicht Weiß draufgepackt. Zukünftige Archäologen werden mir dankbar sein, dass mein zigmal übermalten Leinwände ihnen Arbeit bis an ihr Lebensende bescheren wird.

Zuletzt eine Sache, die im Leben häufig unterschätzt wird: zu einer Arbeit gehört immer das Aufräumen. In meinem Fall Pinsel und Materialien gründlich auswaschen, alles, was nicht mehr gebraucht wird, wegräumen und noch einmal gründlich lüften und ggf. fegen. Künstlerische Arbeitsmaterialien sind teuer, und Ordnung schont nicht nur die Nerven (yay, Montessori!), sondern auch den Kontostand, weil man nicht dauernd alles neu kaufen muss, weil irgendwo wieder etwas eingetrocknet ist.

Unterwegs

Zwischenstand Pause Werkzeug für Zufallstechniken

Auf dem Weg zum Auto fotografierte ich noch schnell den Zwischenstand der großen Schwarzweiß-Arbeit, weil ich wirklich mag, wie sie sich entwickelt. Ich hätte noch lange weiterarbeiten können, aber komischerweise besteht die Tagesmutter darauf, dass ich meinen Sohn auch wieder abhole.

Für den Workshop morgen musste ich noch einige Kleinigkeiten besorgen und so haben der kleine Mann und ich das Angenehme (Eis essen) mit dem Nützlichen (Besorgungen machen) verbunden.

Mit Sprühflaschen kann man gerade Acrylfarben gut verlaufen lassen. Die Kids morgen sollen unterschiedliche Zufallstechniken ausprobieren und die Sprühflaschen sind ein unkomplizertes Werkzeug, um interessante Ergebnisse zu erzeugen. Ich bin schon sehr gespannt, was sie damit anstellen werden…

Zuhause

Sohn malt Skribbeln Feierabendpolonaise

Zum Tagesausklang haben mein Sohn und ich es uns mit seinen Stiften und meinen Papieren am Küchentisch gemütlich gemacht und noch ein bisschen zusammen gezeichnet. Er hat im Moment große Lust, alles anzumalen (mich, Möbel, Bücher…) und wenn es mir zu bunt wird*, räume ich die Stifte halt weg.

* Nein, für dumme Wortspiele bin ich mir nicht zu schade.

Heute habe ich ihm die Stifte aber auch besonders eigennützig abgenommen. Immer noch traurig, dass der Flow aus dem Atelier heute morgen nicht ewig anhalten konnte, habe ich einfach mit seinen Stiften auf kleinen Formaten gescribbelt und vielleicht eine neue kleine Serie angefangen.

Mein Sohn ist derweil im Kinderzimmer verschwunden und dort unter die Bildhauer oder Ingeneure gegangen, wer kann das bei einem Zweijährigen schon genau sagen? Als ich ihn zum Abendessen holte, stand da jedenfalls diese herrliche kleine Skulptur zur Feierabendpolonaise.

Der Tag heute hat mich daran erinnert, wie sehr ich die praktische Arbeit brauche, um mich als Mensch ganz zu fühlen. Ich verbringe mit dem Crowdfunding für meinen neuen Trickfilm LIEBE im Moment seeehr viel Zeit am Computer und habe mich heute davon mal etwas erholen können. Auch wenn ich finde, dass Büro und das Bekanntmachen der eigenen Arbeit genauso zu meinem Berufsbild gehört wie die praktische Arbeit, erstaunt es mich doch immer sehr, wie viel erfüllender die letztere ist.