Künstlerleben
Künstlerleben

Es ist Mai und einmal im Monat erzähle ich einen Tag lang in Bildern darüber, wie ein wirklich glamouröses Künsterleben aussieht, und zwar im Rahmen der Fotoaktion #12von12, bei der jeden Monat Menschen am 12. eines Monats ihren Tag in 12 Fotos festhalten.

Der Tag war insofern ungewöhnlich, weil die Tagesmutter heute einen freien Tag hatte und der schönste Mann der Welt und ich uns den Tag geteilt haben, damit jeder ein bisschen arbeiten und das Kind betreuen konnte. Der Mann hat heute nicht nur den Vormittag übernommen, sondern außerdem Geburtstag.

Timing for Animation Wetterhahn Papiere

Trotzdem bin ich erstmal ins Atelier gefahren nach dem Frühstück. Ich habe noch ein kleines Trickfilm-Projekt eingeschoben, bevor ich mich im Juni in die Babypause verabschiede und daran möchte ich dringend arbeiten, damit es auch rechtzeitig fertig wird. Deswegen ist es gut, bestimmte Referenzbuch-Klassiker dabei zu haben, um nicht immer das Rad neu erfinden zu müssen.

Ein ausführliches Storyboard zu zeichnen dauert zwar, hilft mir wieder ungemein, die Animationen zu gestalten und mir darüber klar zu werden, wohin ich mit dem Film will. Trotz (oder wegen?) des Zeitdrucks habe ich mich kurz von meinem Papierfundus ablenken lassen, als ich auf der Suche nach einem Blatt für den Hintergrund des Filmes war. – Ich habe nebenher aus zur Seite gelegten, bearbeiteten Papieren 30 Blätter als Untergrund für eine weitere kleinformatige Serie vorbereitet. Ich habe gerade wieder solche Lust am Zeichnen und Malen!

Husten Kalimba Sortieren

Während ich die Papiere zurechtgeschnitten habe, trocknete der weiß übermalte Hintergrund neben mir und ich schlürfte unkonzentriert an meinem Kaffee. Dabei habe ich mich so heftig verschluckt, dass ich den Kaffee auf den noch nicht ganz trocknenen Hintergrund hustete und dann erstmal eine halbe Stunde lang damit beschäftigt war, im Atelier die Tische, Materialien und alles andere zu putzen. Als ich den Kaffee vom Hintergrund tupfte, entstanden aber so schöne Effekte, dass ich die Situation mit Humor nehmen konnte. Dazu war es eine gute Erinnerung daran, dass ich Dinge besser fokussiert tue und nicht immer in Gedanken woanders bin als im Hier und Jetzt.

Mittags haben der Mann und ich fliegenden Wechsel gemacht – ich kam praktischerweise passend zum Mittagsschlaf unseres Sohnes nach Hause. Nach dem Mittagessen habe ich noch mit meinem neuesten Spielzeug herumgedaddelt: ich habe mir für das Trickfilm-Projekt eine Kalimba bestellt, deren Klänge gut zu dem kleinen Film passen, an dem ich gerade arbeite. Bereits am Montag war ich im Filmhaus in Bielefeld und habe den Text und die Geräusche für den Film aufgenommen. Heute habe ich dann endlich die Zeit gefundem, die Dateien zu sichten und ordentlich zu benennen. Schaden tut ein bisschen Ordnung ja bekanntlich nicht.

Animationen austüfteln Torte Geburtstagsstrauß

Unser Sohn schlief heute unerwartet lange und weil ich gerade einen guten Lauf hatte, habe ich noch schnell ausgetüftelt, wie lang die einzelnen Sequenzen für das Trickfilm-Projekt werden sollen und wie viele Bilder ich in den nächsten zweieinhalb Wochen dafür produzieren muss – bevor unser Sohn aus seinem Bettchen stieg und ich dem Mann eine Geburtstagstorte ohne Backen gemacht habe. Ich hasse Backen. Manchmal backe ich Wut-Brote, wenn ich mich sehr ärgere, dann knete ich den Brotteig so lange, bis es wieder geht. Aber grundsätzlich hasse ich backen. Also gab es eine kalte Torte. Und Blumen! Zum Glück ist der Garten im Mai eine echte Pracht, so dass ich schnell ein Sträußlein pflückte, während der Kleine mit dem Rutschauto die Gegend unsicher machte.

Abendbrot Sommerschuhe Abendstimmung

Nach einem langen Tag haben wir uns zum Abendbrot an der Torte dick und rund gefuttert. Ich war mit unserem Sohn noch schnell in der Innenstadt, um ein paar Sommerschuhe zu besorgen, bevor es am Wochenende wieder kalt wird und obwohl wir alle große Lust auf Torte hatten, hat keiner von uns sein Stück geschafft. Mit Daft Punk und wirklich schönem Abendlicht ging es hier in den Endspurt und nu ist es auch wirklich gut.

Der Tag heute hat mir mal wieder gezeigt, wie schwierig einerseits der Spagat zwischen Elternsein und Beruf ist und wie schön es andererseits ist, wenn beides genügend Raum hat. Ich fühle mich „ganzer“, wenn ich meine Arbeit tue, aber ich will mich nicht nur darum drehen, sondern auch meinem Mann und den bald zwei Kindern genügend Raum und Zeit geben. So oft bin ich zwischen diesen Rollen hin- und hergerissen, aber heute hat alles gut geklappt – dank guter Absprachen und genügend Ruhe. Das gelingt auch nicht jeden Tag!

Schlaft gut, ihr schönen Seelen!