Künstlerhonorare
Künstlerhonorare

Heute hatte ich einen in  vielerlei Hinsicht schönen Arbeitsmorgen mit Künstlerkollegen, bei dem wir eine Ausstellung besprochen haben, die gerade in Planung ist. Es hat sich viel Schönes und Neues ergeben  und ich genieße diese Momente immer sehr, wenn man spürt: „hier tut sich was“.

Nach einem angeregten Gespräch über eine mögliche Ausstellungskooperation sagte der potentielle Kurator dann einen Satz, den ich sehr, sehr häufig höre und der unglaublich gut wiedergibt, wie es um die Wertschätzung für Künstler bestellt ist:

Aber ein Honorar können wir euch Künstlern leider nicht zahlen.

Aha. Soso.

Als mein ansonsten wirklich netter und auf Konsens bedachter Gesprächspartner fast entschuldigend ergänzte: „Aber dafür übernehmen wir dann selbstverständlich alle anderen Ausstellungskosten!“ ist mir der Kragen und das Mundwerk geplatzt. Sehr sachlich erwiderte ich ihm:

Künstlerhonorare sind Teil der Ausstellungskosten.

Nehmen wir mal irgendeine städtische Galerie, deren Kommunalverwaltung in Zeiten knapper Kassen ordentlich auf die Ausgaben gucken muss. Trotzdem bezahlen sie die räumliche Infrastruktur, die Bewerbung des Ausstellungs-Events, einen Kurator (oft im weitesten Sinne dieses Wortes), extrem günstig gedruckte Printmaterialien für den Papierkorb. Sie profitieren von dem Beifall, der mit einem gut gemachten Ausstellungsprojekt einhergeht und füllen damit ihre Pressemappen und lokalen Webseiten.

Wenn ein Kunstwerk in Ausstellungsräumen hängt oder steht, dann ist es in der Regel fertig – das heißt, wir (die Künstler) haben unsere Arbeit bereits gemacht (das Werk erstellt und oftmals auch selbst installiert), manchmal fertigen wir sogar explizit Arbeiten für einen Ort an, wir investieren Zeit, Expertise und Material dafür.
„Aber ein Honorar können wir euch nicht zahlen.“

Eine völlig neue Herangehensweise wäre es doch einmal zu sagen: „Hey, wieviel Honorar bekommst du denn für deine Arbeit? Aha. Dann werde ich jetzt mal schauen, wie ich das Geld für die Werbung, die Aufsichten, den Unterhalt der Räumlichkeiten herbekomme.“ Vielleicht kann der Stadtkämmerer oder andere Verwaltungsmitglieder für einen Monat auf sein Gehalt verzichten? Nein? Wie, der möchte nicht unbezahlt arbeiten? Wieso wird das von Künstlern denn immer erwartet, ja, fast vorausgesetzt?

Dabei gibt es so viele Möglichkeiten, Künstlerhonorare möglich zu machen: Crowdfunding und sein analoges Pendant, die Förderkreise, zum Beispiel. Gut überlegtes Merchandise, dass wirklich Geld in die Galeriekasse spült. Kunstauktionen. Benefizfeste. Lokale Kulturförderung. Es ist so vieles machbar!

Bleibt offen, experimentiert! Habt ihr schon kreative Lösungen für solche Situationen gefunden? Sammelt sie mit mir in den Kommentaren!
Alles Liebe
Jessica