Identität
Identität

Kurz vor Flow: Zwischenstand aus dem Atelier.Gestern war einer dieser Tage: hochmotiviert habe ich zuerst ein paar Dinge und Büroarbeit erledigt, fuhr ins Atelier und freute mich, dass ich noch einige Zeit intensiv arbeiten könnte bis ich meinen Sohn von der Tagesmutter abholen müsste. Gerade, als ich begann in den Flow zu kommen, klingelte mein Telefon: ob ich meinen Sohn abholen könne, er hätte leicht erhöhte Temperatur und wäre insgesamt schlapp und müde.

Da hatte ich gerade eine Stunde gearbeitet und hatte das Gefühl, ich nähere mich einem lang ersehnten Durchbruch. Mist.

Ich bin Künstlerin und Mutter.

Wehmütig habe ich noch den Arbeitsgang beendet, meine Pinsel ausgewaschen und fuhr dann los, um den kleinen Mann abzuholen. Ich hatte mir noch kleinformatige Arbeiten auf Papier eingepackt, an denen ich meine Ideen am Küchentisch weiter ausprobieren konnte, wenn das kranke Huhn seinen Mittagsschlaf macht.

Küchentisch als AtelierLeider ist diese Zeit viel zu schnell rumgegangen und mein Sohn schlief auch nicht annähernd so lange, wie ich gedacht hätte. Als er wach wurde, lagen noch mein Farbkasten und die Pinsel auf dem Tisch und er wollte gleich ausprobieren, was ich da mache.

Wasserfarben-Premiere

Nachdem ich ihm gezeigt habe, wie man die Farbe mit Wasser in den Pinsel aufnimmt und wie er damit Spuren auf dem Papier hinterlassen kann, hat er direkt vier Blätter produziert, um deren Abstraktionsgrad ich ihn etwas beneide.

Dieses experimentelle, spielerische, mit dem der kleine Mann an dieses neue Spiel heranging, ist für mich immer wieder Anregung, es in meinen Arbeiten genauso zu probieren. Es ist ihm völlig egal, was andere über seine Spuren denken und ich versuche mich in meiner Arbeit immer wieder daran zu erinnern, dass es dabei darum geht, was mich glücklich macht. Hinterher waren wir beide total zufrieden und haben noch den Nachmittag draußen verbracht. Von erhöhter Temperatur und Schlappheit keine Spur mehr.

Die eine Identität gibt es nicht ohne die andere. Beides ist mein Leben. Ich bin Künstlerin und Mutter. Ich bin Mutter und Künstlerin.

Wunderbare Abstraktion: Mein Sohn malt mit WasserfarbenWasserfarbenbild von meinem Sohn