Identität
Identität

Mutter sein

Als Mutter bin ich selten allein und oft einsam.

Ich hadere mit meiner Rolle als Mutter.

Auch wenn ich meine Kinder über alles liebe, sehne ich mich nach Stille und danach, einmal nicht mit einer anderen Person Körperkontakt zu haben. Ich sehne mich nach Selbstbestimmung und danach, nicht für die Bedürfnisse zweier weiterer Wesen zuständig zu sein. Meine Bedürfnisse stelle ich so oft hinten an. Manchmal habe ich das Gefühl, ich löse mich auf vor lauter Muttersein.

Ich akzeptiere meine Rolle als Mutter.

Ich habe mich für diese wunderbaren Wesen entschieden und staune jeden Tag wieder, wieviel Liebe ich für sie verspüre. Ihr Wachstum ist unglaublich: sie gehen ihren Weg und entfalten jeden Tag aufs Neue ihre Talente, manchmal mit, manchmal ohne meine Hilfe. Ich kann mir ein Leben ohne meine Kinder und ohne uns als Familie nicht mehr vorstellen. Ich fühle mich „ganzer“ als zu der Zeit, als wir keine Kinder hatten. Kinder sind Leben.

Das Hadern und das Akzeptieren, beides steht nebeneinander.

Künstlerin sein

Als Künstlerin bin ich oft allein, aber einsam bin ich nie.

Ich hadere mit meiner Rolle als Künstlerin.

Bin ich nicht eher „nur“ Mutter als Künstlerin?
Das Baby ist klein und ich komme nur zum Arbeiten, wenn es schläft oder wenn es sich für einige Minuten alleine beschäftigt. Ich sehne mich nach meiner Arbeit und will all die Projekte, die ich mir vorgenommen habe, gut und zeitnah fertig machen. Ich arbeite einfach gerne und bin traurig, wenn ich mich in den Flow gearbeitet habe und dann wieder unterbrechen muss, weil der Minimensch meine Zuwendung braucht.

Ich hadere: Schaffe ich Arbeiten, die bei anderen ein Echo auslösen? Treffe ich die richtigen Entscheidungen? Bekomme ich das jemals fertig? Nehmen mich andere weniger ernst, weil ich mich auch für Kinder in meinem Leben entschieden habe?

Ich akzeptiere meine Rolle als Künstlerin.

Auch in kleinen Schritten kann ich Dinge schaffen und auch wenn es länger dauert, werden meine Arbeiten auf diese Weise trotzdem fertig. Ich habe Schuldgefühle und manchmal beschleicht mich das Gefühl, mich nicht genug anzustrengen, obwohl ich mich so unglaublich anstrenge. Gleichzeitig weiß ich, dass ich genau hier und jetzt richtig bin und dass ich ohne das Muttersein bestimmte Facetten in meiner Arbeit niemals erforscht hätte. Kunst ist Leben.

Beides steht nebeneinander, das Hadern und das Akzeptieren. Meine Künslerinnen-Identität und meine Mutter-Identität.

Ich beobachte, nehme wahr und versuche nicht, die Dinge zu beurteilen. Ich gehe meinen Weg als Künstlerin und Mutter. Ich brauche mein Künstlerinnensein für meine Mutterrolle und ich brauche mein Muttersein für meine Identität als Künstlerin.