"erinnern": Comic-Präsenation
„erinnern“: Comic-Präsenation

Ende letzten Jahres bekam ich den Auftrag, für den Mindener Geschichtsverein und eine Ausstellung im Mindener Museum einen Comic zu zeichnen. Dieser Comic sollte auf einem Interview mit Frau Finkeldey, einer Zeitzeugin, basieren, die dieses Jahr 95 Jahre alt wird und die die Zeit unter Hitler und den Zweiten Weltkrieg als Jugendliche miterlebt hat.

Ich möchte euch alle zur Präsentation meiner Comic-Tableaus im Rahmen der Ausstellung „Fakten und Fiktionen“ ganz herzlich einladen:

Am Sonntag, den 5. Februar 2017
um 14 Uhr
im Mindener Museum
Ritterstraße 23 – 33
32423 Minden
www.mindenermuseum.de

Frau Finkeldey und ich werden vor Ort sein und freuen uns auf anregende Gespräche mit euch.

Das Zeichnen der vier Tableaus ist nicht spurlos an mir vorüber gegangen.

Ich habe unglaublich viel Bildmaterial aus dieser Zeit gesichtet und bin sehr intensiv eingetaucht, einmal in die persönliche Geschichte von Frau Finkeldey und in die Mindener Geschichte und in die Rahmenereignisse von 1933 bis 1945. Ich habe feixende SA-Leute gesehen, die 1938 bei Synagogen-Bränden noch für Fotos posiert haben, ich habe das Grauen der Vernichtungslager immer noch nicht fassen können und bei Reden von Goebbels und anderen Brechreize bekommen.

Gleichzeitig sind mir beim Zeichnen unweigerlich Parallelen zu unserer Zeit aufgefallen. Ich frage mich: in was für einer Welt sollen meine Kinder leben und aufwachsen? Ich will mich nicht nur gegen Nazis wehren, sondern auch gegen eine Verrohung der Gesellschaft, die dazu führt, dass Menschen wie Donald Trump, Recep Tayyip Erdoğan oder Bernd Höcke glauben, sie seien politisch legitimiert.

Wenn ich eines aus der Geschichte von Frau Finkeldey gelernt habe, ist es dies: Die Welt darf nicht verrohen! Eine verrohte Welt ist der ideale Nährboden für Faschismus und Hass. Dem können und müssen wir nur Liebe, Respekt, Empathie und Humanismus entgegensetzen. Wenn wir versuchen, Nazis und Faschisten mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, verrohen wir selbst und nichts wird sich ändern.

Außerdem hat mir Frau Finkeldeys Geschichte gezeigt: der Rückzug ins Private funktioniert nicht. Wir glauben, es beträfe nur die anderen (Juden, Muslime, Behinderte, LGBT-Menschen, was weiß ich), aber es betrifft uns alle. Viele glaubten auch unter Hitler, es beträfe nur die anderen und dann kamen trotzdem alliierte Truppen und sprengten auch ihr Haus, einfach, weil sie sich – aus Angst, aus Ignoranz oder vielleicht sogar wider besseren Wissens – nicht gegen Hitler und seine Gefolgsmänner gewehrt haben. Es gibt auch heute kein „neutral“ mehr, entweder sind wir für Faschismus, Rassismus und Menschenverachtung oder wir sind dagegen und finden friedliche Wege, mit Menschen aller Glaubensrichtungen, Hautfarben, Nationalitäten, sexueller Orientierungen, Geschlechter, Altersgruppen gemeinsam und respektvoll zu leben.

Ich freue mich total darauf, dass uns die Präsentation am Sonntag den Rahmen dafür in der Ausstellung bietet.

Bis dahin!
Ganz viel Liebe,
Jessica